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Lothar Baltrusch im Interview | Schrumpfleder
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21.11.
– 2012 –

Lothar Baltrusch im Interview

Im heutigen Interview habe ich Lothar Baltrusch zu Gast. Einige Leute kennen sein Gesicht, viele seinen Namen, noch mehr seine Stimme: Lothar ist Radio-Moderator bei Antenne Unna. Ich kenne Lothar nun schon mehrere Jahre und teile mit ihm die Leidenschaft Motorrad zu fahren. Neben seinen Hobbies, zu denen sowohl das Anhäufen von Autogrammen Namenhafter und Unbekannter, als auch das Studieren von Elvis-Platten gehört, plant er seit langer Zeit eine Reise. Nicht irgendeine Reise, sondern eine Motorradreise. Von Deutschland nach Vietnam! Wie er sich vorbereitet, wann es losgeht und vor allem, was er dort überhaupt sucht, erfahrt ihr in diesem Interview.


Matthias: Hallo Lothar! Schön, dass Du dir Zeit für unser Interview genommen hast! Stell dich doch bitte kurz selbst vor. Wer ist Lothar Baltrusch?

Lothar: Ich bin in der Rock’n’Roll-Zeit geboren – als JFK mit MM Liebe machte. Hab die Mondlandung live gesehen, den Grand Prix als ABBA gewannen und Elvis 1977 starb. Ich bin ein Stückweit ein „Spinner“, habe fixe Ideen (Way to Huyen) und ziehe diese auch durch. Ansonsten mag ich Kartoffelpüree und Fischstäbchen, liebe meine Familie und meinen Job.

Matthias: Und was machst Du beruflich?

Lothar: Ich habe viele Berufe. Meine erste Lehre war „Kunststoffformgeber“ (mit 3f !!), danach wurde ich Werkzeugmacher, machte die Ausbildung zum Industriemeister und auch noch den Ausbilderschein. Jetzt bin ich Journalist und das seit über 20 Jahren.

Matthias: Das klingt ja nach einem weiten Weg! Wie kam die Richtungsänderung zum Journalisten zu Stande?

Lothar: Ich habe in der Schule mal ein Praktikum bei einer Zeitung gemacht – rasender Reporter sozusagen – fand ich total cool, hinterher seine Worte gedruckt zusehen. Der Umweg über das Handwerk musste aber sein, da ich auch gerne etwas „in die Hand nehme“. Also eigentlich bin ich ein handwerklicher Journalist.

Matthias: Seit längerem stampfst Du ein Projekt aus dem Boden. Willst Du erzählen worum es sich dabei handelt?

Lothar: Gerne! Also es geht um mein größtes Abenteuer. Hat allerdings nix mit Indiana Jones zutun 🙂:) Es geht um eine 15.000 km lange Reise, von Schwerte nach Vietnam. Quer durch Russland, am Roten Platz vorbei, weiter nach Nowosibirsk. Von da aus in die Mongolei in die Hauptstadt Ulan Bator. Dann quer durch China, rein nach Laos, dann rechts ab nach Vietnam. Und das alles wegen meinem Patenkind. Huyen ist 13 Jahre alt. Doch eines Vorweg: Das ist keine Urlaubsreise! Einige haben das anfangs gedacht und auch, dass ich mich auf Kosten der Armen bereichere. Alles dummes Zeug! Ich mache diese Reise um Aufmerksamkeit zu generieren, denn mit nur 30€ im Monat kann man einem Kind eine Zukunft schenken – ein ganzes Leben. Ganz bequem per Dauerauftrag von zu Hause aus. Seit ich Huyen jeden Monat unterstütze, hat sie die Möglichkeit einer guten Schulbildung. Auch ihre Familie profitiert davon. 30€ in Vietnam sind wie 1000€ in Deutschland. Ein Arbeiter verdient im Durchschnitt 800€ im Jahr. Und mir tun die 30€ nicht weh, aber Huyen gut und wie gesagt: Es ist die Chance für eine Zukunft. Ansonsten sammel ich für „Way to Huyen“ Kilometergeld. 1 km = 1 €uro. Knapp 9000,- € sind es aktuell. Das Geld bekommt das World Vision Projekt, in dem Huyen und viele andere Kinder leben. Davon werden sanitäre Anlagen gebaut, genauso wie schulische Dinge, wie Bücher etc. gekauft. Übrigens: Nicht 1€ der Unterstützergelder aus dem Kilometerkauf wird abgezwackt. Jeder der Mitstreiter (insg. 4 Leute) zahlt die Reise und alle Kosten aus eigener Tasche.

Matthias: Und Du unternimmst diese ganze Reise auf dem Motorrad? Warum hast du dich dafür entschieden?

Lothar: Mit dem Flugzeug kann jeder – mit dem Bike bekommt die Reise eine andere Perspektive. Ich lerne Meter für Meter Menschen kennen, nehme ihre Geschichten wahr, sauge jeden Kilometer auf, lebe und erlebe jeden Tag intensiver. Das alte Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“ ist treffender denn je. Außerdem fahre ich Bike seit ich 18 bin und das immer noch mit wachsender Begeisterung… Schade, dass es hier bei uns den Winter gibt 😉;)

Matthias: Jeder, der mal eine Motorradreise über mehrere Wochen durchlebt hat weiß, welche körperlichen Strapazen auf einen zukommen und dass es alles andere als ein Vergnügen sein kann. Du trittst darüber hinaus noch eine Reise durch Osteuropa und Asien an. Auf dieser langen und gefährlichen Strecke wirst Du bestimmt nicht allein unterwegs sein?

Lothar: Ich werde versuchen vornweg zu fahren. Das heißt, ich werde mit mir alleine sein, aber es fahren noch 3 Leute mit. Einmal Andreas Hülsmann, Reisejournalist und seit 25 Jahren „Rumtreiber mit dem Bike“. Er kennt die Strecke und fährt auch mit dem Motorrad. Hinter uns im Begleitfahrzeug: Hans-Jürgen Weigt, Macher der Motorräder Messen in Dortmund und Leipzig. Neben ihm Patrick Lynen, Medienberater und mein „journalistisches Hirn“. Er hat die Meetings, die Radiosender und TV Stationen im Blick. Alle Männer sind über 50! Hat aber nix mit Midlife Crisis zutun 😉;) Wir sind eher Männer, die genug Lebenserfahrung haben und nun „ausprobieren“ ob diese auch in der Wildnis funktioniert.

Matthias: Ich weiß von dir persönlich, dass Du leidenschaftlicher Harley-Fan bist. Mit der wirst Du aber wohl nicht bis nach Vietnam fahren wollen?

Lothar: Die Harley war und ist mein Traum, allerdings muss man für noch größere Träume auch Opfer bringen. Kompromisse eingehen. Ich habe meine Harley verkauft und mir eine 800er Triumph Tiger gekauft, weil das „biken“ auf einer Offroadmaschine anders ist als auf der „ich-fahr-mal-zur-Eisdiele-Maschine“. Und die 15.000 km werde ich im Sattel einer BMW F800GS erleben. Diese stellt mir die Firma Touratech kostenlos zur Verfügung. Eine Hand wäscht die andere Hand. Touratech bekommt Foto- und Filmmaterial. Am Ende, nach 8 Wochen, bleibt die Maschine bei „Touratech Bangkok“ und wird mit einem Container irgendwann wieder in Deutschland sein. Ich selbst werde mit dem Flieger zurück kommen, da mein Chef mir nicht nochmal 8 Wochen frei gibt 😉;)

Matthias: Für einen Harley-Fan bestimmt ein großes Opfer! Wie bereitest Du dich sonst auf die Reise vor und welche Vorkehrungen hast Du schon getroffen?

Lothar: … heul … ähhm, ja – Vorbereitungen. Im Moment viel Werbung, damit ich die 15.000 € zusammen bekomme. Die Strecke ist grob geplant. China macht uns noch ein wenig Sorgen, 6000 $ wollen sie als „Durchfahrtgebühr“ haben. Nicht mit uns! Da werden wir irgendwas tricksen. Es sei denn wir finden einen Sponsor! Ansonsten gehts ab Dezember ins „Trainingslager“, sprich in die Muckiebude. Ich muss unbedingt Muskeln in den Armen und im Rücken aufbauen. Meine Lebensversicherung ist bezahlt, der Doc schaut sich Anfang 2013 in mir um. Andreas kümmert sich um die Visa und Patrick um die Vermarktung. H-J weiter um den Weg. Echt… am liebsten möchte ich sofort los, jetzt und hier… Ich kann es kaum abwarten!

Matthias: Werden wir an deiner Reise teilhaben können? Wirst Du live berichten?

Lothar: Logisch werde ich von unterwegs berichten. Antenne Unna bekommt mindestens 3x in der Woche einen Livebericht. Im Netz auf meiner Seite und auf der World Vision Seite wird es ein Tracking geben, also eine Karte mit meinem momentanen Aufenthaltsort. Auch werde ich – soweit möglich – täglich einen kurzen Bericht schreiben und ein paar Bilder beifügen.

Matthias: Du hoffst also durch eine interessante Geschichte die Aufmerksamkeit auf die Situation in Vietnam zu lenken. Wirst Du dabei von World Vision – dem Organisator deiner Patenschaft – unterstützt?

Lothar: Ja. Anfangs haben sie gedacht: „Ok… was für eine abgefahrende Idee!“ Heute sagen sie das zwar immer noch aber unterstützen mich zu 100%. Ich bekomme Material aus Vietnam, Infos aus erster Hand und sie werden uns in Vietnam in Emfang nehmen. Huyen weiß mittlerweile auch Bescheid, sie freut sich total! Bzgl. der Aufmerksamkeit: Es gibt nicht nur Kinder in Vietnam – wir haben weltweit die Möglichkeit zu helfen. Das geht in der Nachbarschaft los, im Ort, im Kreis, in dem man wohnt und hört in der Ferne auf. Wichtig ist: “Machen statt Quatschen”, so geht Hilfe heute!!

Matthias: Warum unterstützt Du gerade das Programm von World Vision so intensiv, was macht die Idee „World Vision“ für dich aus?

Lothar: Ich bin durch Petter Maffay auf World Vision aufmerksam geworden. Nachdem ich mich mit dem Thema Patenkind beschäftigt hatte, wurden meine Fragen 3 Std. lang von einer Mitarbeiterin am Telefon beantwortet. Dann hab ich bei der Pressestelle um die Freigabe des World Vision Logos gebeten und siehe da – der Pressemann war ein alter Antenne Unna-Kollege von mir – wir haben jahrelang zusammen gearbeitet. Das und die Tatsache, dass nicht soooo viel in die Verwaltung geht, hat mich überzeugt. 82 % meines Geldes, das ich monatlich spende, bekommt Huyen & ihre Familie. Der Rest geht in das gesamte Projekt und in die Verwaltung. Darüber hinaus wird World Vision kontrolliert. So eine Art TÜV für Hilfsorganisationen hat da ein Auge drauf, also da fällt nix unter den Tisch.

Matthias: Peter Maffay wird auf deiner Internetseite unter anderen auch als Partner genannt. Welche Rolle spielt er bei deinem Projekt und für wessen Hilfe bist Du besonders dankbar?

Lothar: Eine zentrale Rolle, denn er hat die Schirmherrschaft übernommen. Wir kennen uns schon einige Jahre und ich habe ihm vom Projekt erzählt. Er sagte spontan: „Das ist eine gute Sache – die möchte ich unterstützen!“. Er selbst hat die Einnahmen seiner „Begegnungen-Tour 1&2“ zum Teil World Vision gespendet. Also sitzen wir sozusagen im selben Boot. Ich spiele mit dem Gedanken, dass er den Titelsong singen soll, denn es soll ja auch ein Film gedreht werden. Ich muss ihn mal fragen, ich treffe ihn die Tage.

Ganz wichtig ist auch Josef Joy in Holzwickede – ein Familienbetrieb, sie verkaufen kompl. Ausrüstungen – vom Helm bis zu den Stiefeln. Die Firma Joy spendiert mir Helm, Handschuhe und Stiefel – sowas nenne ich Unterstützung! Sie haben von meinem Projekt erfahren und sagten sofort zu. Ohnehin danke ich vielen kleinen und größeren Unterstützern, die mir durch ihre Hilfe die Fahrt zu meinem Patenkind erst ermöglichen.

Matthias: Ein Film? Wird er während der Reise gedreht? Wo und wann wird er zu sehen sein?

Lothar: Nachhaltigkeit fängt vor dem Start an. Damit will ich sagen: wenn die Reise vorrüber ist, was bleibt dann? Also habe ich mir gedacht – wieso nicht aufnehmen für die Nachwelt. Im Moment gibt es Verhandlungen mit diversen Produktionsfirmen, die Teile der Reise begleiten werden. Der Film soll dann Ende 2013 bzw Anfang 2014 in TV zusehen sein. Aber definitiv wird es eine DVD geben. Der Erlös des Films/der DVD geht dann auch wieder an World Vision.

Matthias: Gehen wir mal davon aus, dass ihr alle die Reise heil übersteht. Was ist vor Ort geplant? Wie lange werdet ihr in Vietnam bleiben?

Lothar: Vor Ort heißt, dass wir ca. 8 Wochen Tortur hinter uns haben. Was genau vor Ort passiert, das wissen wir noch nicht. World Vision hat sicherlich das eine oder andere vor, man wird sehen. Ich für meinen Teil freue mich ein paar Momente mit Huyen und ihrer Familie zu verbringen. Wie lange wir dort bleiben, ist auch nicht klar, weil wir nicht wissen, ob wir die „rein rechnerisch“ 270 km am Tag schaffen werden. Sollte es gut laufen, dann fahren wir natürlich mehr Kilometer und somit haben wir am Ende mehr Zeit für den Aufenthalt. Aber egal wie alles geplant ist – hinter der nächsten Kurve ist immer alles anders als man dachte. Eine alte Freundin von mir hat einen sehr gutes Lebensmotto: „Life is what happens while you make other plans“.

Matthias: Das ist ein treffendes Sprichwort! Wann genau soll die Reise beginnen?

Lothar: Erst wollten wir im „Deutschen Herbst“ los, aber da ist Regenzeit in Vietnam. Russland wäre da noch schön warm gewesen. Wir haben uns entschieden Mitte/Ende Mai loszufahren. Dann ist es zwar in Russland noch etwas kälter, aber je tiefer wir kommen, desto wärmer wird es und in Vietnam ist die Wetterlage dann ok.

Matthias: Und was machst Du nach der Reise?

Lothar: Ich hoffe nicht ins Loch zu fallen. Eine Idee ist es ein Buch zu schreiben. Titel: Was ißt man zwischen Schwerte und Vietnam? Ich werde alles probieren und versuchen die Rezepte aufzuschreiben. Egal was man mir vorsetzt: probieren werde ich.

Matthias: Dann danke ich Dir für das nette Interview! Das letzte Wort gehört hier immer dem Gast. Was willst Du der Nachwelt noch mit auf den Weg geben?

Lothar: Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchem wird’s zuletzt wohlgehen. Psalm37/37 … is auch mein Taufspruch 😉;) … in echt: Jeder sollte mal was machen, worauf er stolz ist!


Falls ihr nun Gefallen an Lothars Projekt gefunden habt und mehr Informationen sucht oder Lothar sogar finanziell unterstützen wollt, hilft euch seine Internetseite abenteuer.lotharbaltrusch.de weiter.

Über den Autor

Matthias58

Ich bin Matthias, Baujahr 85, und fahre seit meinem 16ten Lebensjahr Motorrad. Spätestens seit dem ich 2006 meine ersten Runden auf dem Nürburgring drehte, bin ich mit "Aufzynderitis" infiziert. Nach den ersten Rennen in der deutschen Seriensport-Meisterschaft auf einer umgebauten SV650 gründete ich zusammen mit den beiden Aufzyndern Chris und Holger einen Cup für Mittelklasse-Zweizylinder: Minitwin-Racing. Mehr über mich und Schrumpfleder erfährst Du auf der Über-Seite.

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